Emotionales Essen

Essen ohne hungrig zu sein? Drei von vier Menschen sind sogenannte emotionale Esser.

Es gibt viele Arten von Appetit, aber nur eine Art von Hunger! Etwa 30 % aller Menschen sind emotionale Esser, so der Spiegel. Sie essen, wenn sie traurig, wütend oder gestresst sind, denn Essen entspannt. Die Folge davon ist nicht selten Übergewicht.

Wir haben für Sie ein paar Tipps zusammengestellt, um Sie für die Mechanismen von emotionalem Essen zu sensibilisieren und diesen gegenwirken zu können.

1. Der Brokkoli-Test

Manchmal tun wir uns schwer zu unterscheiden, ob wir jetzt aus echtem Hunger essen oder eine andere Ursache dahintersteht. Falls die Frage so nicht zu beantworten ist, fragen Sie sich: „Würde ich jetzt auch Brokkoli essen?“ Falls die Antwort ja lautet, haben Sie wahrscheinlich körperlichen Hunger. Ist die Antwort nein, steht ein seelischer Hunger dahinter.

2. Für seelischen Hunger gibt es viele Ursachen. Die häufigsten davon sind Stress, Ängste, Ärger, Wut, Traurigkeit, Langeweile oder Einsamkeit. Um herauszufinden, was es genau ist, können Sie Folgendes tun:

- Sobald Sie merken, dass sie jetzt gern etwas essen würden und sie wissen, es handelt sich nicht um echten Hunger, setzen Sie sich ruhig hin und hören Sie in sich hinein. Wahrscheinlich spüren Sie nun diverse Fluchtimpulse oder Fensterputzen erscheint Ihnen plötzlich unglaublich verlockend – das ist vollkommen normal. Lächeln Sie über sich selbst und lassen Sie diese Impulse einfach da sein. Konzentrieren Sie sich einfach auf die anderen Gefühle,
denen sie nachspüren wollen.

- Beobachten Sie, welche Gefühle in Ihnen hochkommen.

- Wenn Sie besonders mutig sind, dann bleiben Sie nach dem ersten Gefühl noch sitzen und warten,
ob nicht hinter dem ersten Gefühl vielleicht noch ein zweites ist.

- Sobald sie erkannt haben, was das eigentliche Problem ist, können Sie auch gezielt handeln, denn pauschale Tricks
gibt es nicht bei diesem Thema. Die Probleme und die Lösungen dazu sind genauso individuell wie sie.

- Falls an irgendeinem Punkt Panik hochkommt, hören Sie auf und wenden Sie sich an einen Therapeuten. Es können durchaus auch Traumata dahinterstecken, die Sie allein nicht bearbeiten können.

2. Sehr hilfreich ist es auch, wenn Sie versuchen, mögliche Auslöser zu identifizieren, also das System emotionales Essen in einer zweiten Dimension beleuchten. Der Hintergrund, also die Ursache dafür, könnte zum Beispiel eine tiefe Traurigkeit sein, die latent immer da ist. Diese Ess-Attacken kommen aber vielleicht nicht immer vor, sodass es höchstwahrscheinlich einen Auslöser dafür gibt. Das kann der Anblick eines Hundes sein, der Sie an Ihr verstorbenes Haustier erinnert. Je mehr Sie sich bewusst machen, wie Sie funktionieren, desto leichter wird es Ihnen fallen, sich selbst zu helfen.

3. Ein Grund, warum sich emotionales Essen so schwierig abschalten lässt, ist, dass Sie Ihr Belohnungszentrum entsprechend programmiert haben. Ihr individueller seelischer Hunger ist zusammen mit ihren individuellen Auslösern auf bestimmte Lebensmittel spezialisiert. Deshalb können Sie nicht erwarten, dass Sie mit einem Trick 17 dieses Verhalten einfach abstellen können. Haben Sie Geduld mit sich und seien Sie nachsichtig. Ihr Gehirn muss erst lernen, dass es in Zukunft nicht mehr mit Essensreizen belohnt wird. Das dauert eben seine Zeit.

4. Überlegen Sie nun, was Ihnen helfen könnte. Dazu machen Sie sich erst einmal Notizen. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Wenn Ihr Problem beispielsweise Stress im Beruf ist, dann lassen Sie den Gedanken „Ich such mir eine neue Arbeit!“ erst einmal zu, wenn dieser erscheint. Auch alle anderen Dinge, selbst wenn Sie Ihnen noch so absurd erscheinen (Fallschirmspringen, in eine Hütte im Wald ziehen, keine hohen Schuhe mehr tragen etc.). Schreiben Sie erst einmal alles auf.

Erst im Anschluss gehen Sie die Liste durch und beurteilen, was sich möglicherweise im Alltag zeitnah umsetzen lässt. Aber auch die anderen Dinge sagen etwas über Sie und ihre Bedürfnisse aus. Sie können diese Liste mit vertrauten Personen besprechen. Lassen Sie sich überraschen, was passiert!

5. Wie der Name schon sagt: Gewohnheiten hat man sich angewöhnt, d. h. das Ganze ging über einen längeren Zeitraum bis es schließlich eine echte Gewohnheit ist. Das gilt für gute wie für schlechte Angewohnheiten. Deshalb seien Sie nachsichtig mit sich selbst, wenn die neuen Gewohnheiten nicht gleich so funktionieren, wie Sie sich das gewünscht hätten. Rückschläge gehören dazu und bedeuten nicht, dass sie versagt haben. Im Gegenteil: Einen Rückschlag kann man nur erleiden, wenn man schon auf dem richtigen Weg war. Sehen Sie also das Positive und machen einfach weiter, ohne sich zu grämen oder gar selbst zu tadeln.

6. Auch eine Möglichkeit, um sich selbst auf die Spur zu kommen, ist ein Essenstagebuch. Es kann helfen, bestimmte Routinen und Regelmäßigkeiten zu erkennen, z. B. ob Sie eher am Wochenende abends oder an anderen bestimmten Tage übermäßig essen. Dabei sollten Sie nicht nur die Menge, sondern auch den Zeitraum und die Gefühle dazu aufschreiben. Wenn etwas vorgefallen ist, können Sie auch das mitaufnehmen. So lernen Sie sich nach und nach immer besser kennen und können Muster erkennen und somit auch durchbrechen. Beispielweise könnte dabei auffallen, dass an Sonntagen bei Familienessen mit der ungeliebten Tante immer abends große Mengen an Chips verzehrt werden. Dann könnten Sie zurückblättern und nachsehen, ob das auch an anderen Sonntagen der Fall war.

7. Sprechen Sie mit Freunden und Familie über ihr Thema. Oft ist man auch betriebsblind und ein Blick von außen kann erhellend sein. Auch werden Sie merken, dass Sie neben aufmunternden Worten auch Angebote zur Hilfestellung bekommen. So fühlen Sie sich vielleicht schon ein kleines Stückchen besser und motivierter, sodass jeder weitere Schritt leichter fällt.

8. Ein wichtiger Bestandteil, um Ihre Essengewohnheiten zu ändern, ist ihr Einkaufsverhalten. Überlegen Sie zunächst in Ruhe, was Sie in den nächsten Tagen essen wollen und schreiben Sie sich dann einen Einkaufszettel. Wählen Sie dabei viel Gesundes aus, vergessen Sie aber Süßes oder Knabbereien nicht. Die dürfen Sie durchaus essen. Überlegen Sie die Portionsmengen und kaufen Sie nur für diese ein. Ein Verbot erhöht oft den Stellenwert einer Sache und macht sie dadurch noch interessanter.

9. Auch sehr hilfreich ist es, wenn Sie ihr Essverhalten einmal genauer betrachten. Wie groß ist ihre Wertschätzung fürs Essen? Essen Sie hastig, ohne wirklich etwas zu schmecken? Lassen Sie die Aromen des Essens erstmal wirken, bevor Sie essen, halten Sie inne und kommen Sie erst einmal zur Ruhe, bevor Sie anfangen zu essen. Falls Sie Kinder mit am Tisch haben, stellen Sie klare Regeln auf, die es Ihnen ermöglichen, die Mahlzeit in Ruhe einzunehmen (sitzenbleiben, kein Handy, langsam essen etc.).

10. Oft hilft es, wenn Sie allgemein mehr für sich tun. Darunter fallen Aktivitäten wie Sport, aber auch ein Waldspaziergang ist sehr wohltuend. Vielleicht sind sie aber auch der Sauna-Typ. Oder Sie wollten schon immer mal Spanisch lernen. Suchen Sie sich Dinge, die sich gut anfühlen. Das fällt anfangs meist sehr schwer, sobald Sie aber merken, dass es ihnen guttut, wird sich ein Bedürfnis entwickeln – eine neue Angewohnheit entsteht.

Manchen Menschen hilft es, wenn sie dabei feste Termine haben. Also eine Gruppe, die sich regelmäßig trifft, um beispielsweise walken zu gehen, oder der feste Termin im Fitnessstudio fürs Zumba. Oder Sie werden Gassi-Gehpartner für ein Tierheim. Dort freuen sich nicht nur die Pfleger über Hilfe, sondern auch die Tiere werden sie mit sehr viel Liebe für ihre Mühen entlohnen – und das wiederum tut Ihnen gut.

11. Ein warmes Wannenbad oder eine Tasse wohlschmeckender Tee sind ebenfalls Dinge, die in uns Wohlgefühle auslösen können. Beides erinnert das Unterbewusstsein an die Zeit, als wir noch Säuglinge waren und uns um nichts kümmern mussten. Nehmen Sie sich also regelmäßig Auszeiten und benennen Sie diese Auszeit nach Ihrem Vornamen – also nicht Mama-Zeit, sondern zum Beispiel Laura-Zeit, wenn Sie Laura heißen (oder Wolfgang falls Sie zum Beispiel ein Mann sind und Wolfgang heißen). Schon der Name der Auszeit wird Sie daran erinnern, wozu Sie diese nehmen. Sie sollen dann eben nicht Mama oder Papa sein, sondern nur für sich selbst da sein!

 

Wir wünschen Ihnen eine spannende Reise zu sich selbst mit vielen kleinen Schritten des Erfolges und denken Sie immer daran: Seien Sie nett zu sich und bleiben Sie immer positiv!